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Wenn der Arzt per Video ins Wohnzimmer kommt......


Bereicht aus der Apotheken-Umschau

Seit fast vier Wochen steht Heinrich Hensen jeden Tag im Rampenlicht. Morgens um neun Uhr das erste Mal:

"Über einen kleinen Sender am Handgelenk schalte ich bei mir im Wohnzimmer die Video-Kamera und den Schweinwerfer ein", berichtet der 81-jährige aus dem Moselort Cochem. Aus einem Lautsprecher an der Kamera tönt die Stimme seines behandelnden Arztes Dr. Eberhard Schmitt, Neurologe am Brüderhaus in Koblenz: "Setzen Sie sich bitte vor der Kamera auf einen Stuhl und führen Sie den Zeigefinger zur Nasenspitze. Erst rechts, dann links."

Diese Aufforderung ist der erste Baustein eines rund zweiminütigen Bewegungschecks. Heinrich Hensen leidet seit acht Jahren an Parkinson, Anfangs lassen sich die Symptome noch gut mit wenigen Medikamenten lindern. "Im Spätstadium der Parkinson-Krankheit wird die Behandlung schwieriger", erklärt Dr. Schmitt. "Der Patient entwickelt oft eine starke Muskelsteifheit oder macht überschießende Bewegungen." Nur durch den Einsatz einer großen Bandbreite an Arzneimitteln können die Ärzte dem Kranken jetzt noch helfen. Patienten wie Hensen nehmen täglich bis zu acht verschiedene Präparate ein.

Doch hier beginnt das Problem: Die Feinabstimmung der diversen Wirkstoffe ist so schwierig, dass sie bislang fast nur im Rahmen eines mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts erfolgt. "Aus unserer Sicht ist aber entscheidend, wie der Kranke im Alltag zurechtkommt. Deshalb wollen wir ihn auch dort beobachten", argumentiert der Koblenzer Arzt Alexander Rzesnitzek, der zusammen mit Schmitt die ambulante Video-Überwachung entwickelt hat. Laut Rzesnitzek kommt ein weiterer Punkt hinzu:
Die Patienten sollen aktiv demonstrieren können, wo sie Probleme haben. "Eine Patientin zeigte uns beispielsweise vor der Kamera, dass ihr das Salat- schneiden Schwierigkeiten bereitet."

Solche Sonder-Aufnahmen sind problemlos möglich, denn die Koblenzer Ärzte haben die Technik bewusst einfach gehalten. Der Benutzer kann die Kamera aber auch jederzeit anschalten, wenn er gerade auffällige Symptome an sich beobachtet. Während des Filmens beurteilt der Patient seinen aktuellen Zustand über ein Notensystem von eins ("sehr gut") bis fünf ("schlecht").

Nach der Aufnahme werden die Bilddaten über eine spezielle Netzverbindung an den behandelnden Arzt des Patienten geschickt. Auf Wunsch des Patienten können Parkinson-Experten, z. B. an Universitätskliniken, diese Bilder einsehen und zu Rate gezogen werden. "Sonst hat niemand Zugriff auf diese Informationen," so Rzesnitzek. "Wir haben einen Sicherheitsstandard, der sich mit dem der Informationssysteme von Banken vergleichen lässt." Anhand der Filmmitschnitte wird die Wirkung der Medikamente beurteilt und gegebenenfalls Änderungen der Dosis oder des Wirkstoffs vorgenommen.

Vermissen die Patienten den persönlichen Kontakt zum Arzt? "Nein", sagt Heinrich Hensen. "Ich hatte eher das Gefühl, den Arzt ständig an meiner Seite zu haben." Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben: Vor wenigen Wochen noch musste Hensen die Beine beim Gehen nachziehen - ein typisches Parkinson-Problem. "Jetzt, nach der besseren Einstellung meiner Medikamente, kann ich deutlich besser laufen."

Bei Angela Rechmann wurde vor 12 Jahren Parkinson diagnostiziert. In den letzten Jahren verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zusehends. "Ich hatte so erhebliche Laufstörungen, dass der Rollstuhl immer häufiger nötig wurde" ,berichtet sie, "von verschiedenen Ärzten wurde ich als austherapiert bezeichnet." Um so glücklicher war Angela Rechmann darüber, mit Hilfe der Videobeobachtung noch einmal eine Möglichkeit gefunden zu haben, ihre wechselnden Zustände in den Griff zu bekommen. Im Januar 2004 wurde bei ihr zu Hause eine Videokamera installiert und die Behandlung konnte beginnen. Mit Erfolg, wie sie berichtet. "Nach der Neueinstellung mit Hilfe der ambulanten videounterstützten Therapie kann ich wieder relativ unbeschwert laufen. Die Lebensqualität ist um ein Erhebliches gestiegen und ich fühle mich wie neu geboren."

Vorteile erkennt auch Margarete Stattler, ebenfalls Teilnehmerin am Modellprojekt: "Man kann die Veränderungen von zu Hause aus unter den normalen Bedingungen testen, man kann dem Arzt genau die Situationen vorführen, die man ihm bisher immer nur unvollkommen mit Worten versucht hat zu beschreiben (der berühmte Vorführeffekt). Und man kann sich Zeit lassen mit der Umstellung, nämlich genau 4 Wochen. Zeit, die wichtig ist, um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten." Alle 3 Patienten waren Teilnehmer des Modellprojekts "Ambulante videounterstützte Parkinsontherapie. Die einjährige Studie mit 140 Patienten unter der Leitung des Hamburger Parkinsonspezialisten Professor Lutz Lachenmayer konnte die Erwartungen an eine verbesserte Diagnostik und Therapie mit diesem Versorgungsmodell belegen.

Ergebnis:
Die videobasierte Versorgung ist der bisherigen Behandlung deutlich überlegen: Die ganz überwiegende Zahl der videogestützt behandelten Patienten schnitt ebenso gut oder besser ab als die stationär therapierten, die immerhin im Durchschnitt drei Wochen in der Klinik zugebracht haben. Untersucht wurden die Auswirkungen der medikamentösen Neueinstellung der beiden Gruppen anhand von mehreren Parametern. Zum einen wurde die Lebensqualität und ihre Veränderung durch die Therapie erfragt. Dabei musste der Patient Fragen über seinen Zustand beantworten. Der andere. Parameter ist die Beweglichkeit gemessen an der UPDRS-Skala.. Zu den Neben- Parametern gehört die Depression Skala. Zuständig für die Studie ist das Kooperationszentrum für klinische Studien der Universität Köln. Sie wurde vom DPV unterstützt.

Die Lebensqualität der Patienten steigt, die Kosten der Behandlung hingegen sinken. Zu diesem Ergebnis kam z.B. Professor Alexander Storch von der Uniklinik Dresden, der drei Testpersonen betreute: "Bei allen Patienten konnte eine Therapieoptimierung erreicht werden. Es wurde eine deutlich verbesserte objektive und subjektive Bewegungsfähigkeit erreicht." Zielgruppe der Video-Therapie seien insbesondere Patienten in fortgeschrittenem Stadium mit Fluktuationen in der Bewegungsfähigkeit, betont Storch. Der Berliner Neurologe Reinhard Ehret war mit 13 seiner Patienten an der Erprobung beteiligt. Er sieht Vorteile auch für den behandelnden Arzt, der zusätzliche Informationen über Komplikationen und Therapieauswirkungen sowie eine genauere Dokumentation seiner Therapieentscheidungen erhalte. Wichtig ist", betont Alexander Rzesnitzek, "dass der jeweils behandelnde Arzt vor Ort einbezogen wird. Er bekommt von uns den kompletten, videodokumentierten Behandlungsverlauf auf CD-ROM , so kann er alle Therapieentscheidungen selbst nachvollziehen".

Die Ersatzkassen haben das Projekt inzwischen in ihr Programm der integrierten Versorgung aufgenommen. Parkinson-Patienten, die sich neu einstellen lassen wollen, steht jetzt die ambulante, videogestützte Therapie der Koblenzer Firma MVB als Alternative zum stationären Aufenthalt zur Verfügung. Sie gewährleistet eine exakt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Behandlung. Die Ersatzkassen haben in einem Kooperationsvertrag mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf die Voraussetzungen dafür geschaffen. Unter der medizinischen Leitung von Professor Alfons Schnitzler soll es gemeinsam mit niedergelassenen Neurologen zu einer integrierten Versorgung ausgebaut werden "Das in Deutschland einzigartige Projekt zur sektorenübergreifenden Behandlung von Parkinsonpatienten wird viele vollstationäre Krankenhausaufenthalte ersetzen", erklärt Werner Gerdelmann, Mitglied des Vorstandes der Ersatzkassenverbände VdAK / AEV,. Durch den Einsatz der Videodokumentation im häuslichen Umfeld könne der behandelnde Arzt Änderungen der Beweglichkeit über den Tagesablauf verfolgen und die Dosierung der Medikamente jederzeit anpassen. Mittlerweile stehen Verträge mit insgesamt 24 Kliniken zur Unterschrift bereit, berichtet der Koblenzer Arzt und MVB-Chef Alexander Rzesnitzek. Außer den Ersatzkassen wollen zunächst auch die AOK Berlin und die AOK Nordrhein sowie die BKK Heilberufe die Kosten übernehmen. Rzesnitzek geht davon aus, dass die übrigen Kassen bald folgen werden.

Wenn der Arzt per Video ins Wohnzimmer kommt.......

Bei Angela Rechmann wurde vor 12 Jahren Parkinson diagnostiziert. In den letzten Jahren verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zusehends. "Ich hatte so erhebliche Laufstörungen, dass der Rollstuhl immer häufiger nötig wurde" ,berichtet sie, "von verschiedenen Ärzten wurde ich als austherapiert bezeichnet." Um so glücklicher war Angela Rechmann darüber, mit Hilfe der Videobeobachtung noch einmal eine Möglichkeit gefunden zu haben, ihre wechselnden Zustände in den Griff zu bekommen. Im Januar 2004 wurde bei ihr zu Hause eine Videokamera installiert und die Behandlung konnte beginnen. Mit Erfolg, wie sie berichtet. "Nach der Neueinstellung mit Hilfe der ambulanten videounterstützten Therapie kann ich wieder relativ unbeschwert laufen. Die Lebensqualität ist um ein Erhebliches gestiegen und ich fühle mich wie neu geboren."

Vorteile erkennt auch Margarete Stattler: "Man kann, dem Arzt genau die Situationen vorführen, die man ihm bisher immer nur unvollkommen mit Worten versucht hat zu beschreiben (der berühmte Vorführeffekt). Und man kann sich Zeit lassen mit der Umstellung, nämlich genau 4 Wochen Zeit, die wichtig ist, um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Die Patienten entscheiden selbst, wann sie die Kamera einschalten. Ich bekam über Lautsprecher mitgeteilt, wann ich aufstehen, laufen oder Fingerübungen machen sollte. Die Videos gingen über die Telefonleitung zum Arzt, der sie sich anschaute und mir danach per Fax seine Anweisungen gab. Das Ergebnis der geänderten Medikation zeigte sich dann auf einem der nächsten Videos."

Beide Patienten waren Teilnehmer des Modellprojekts "Ambulante videounterstützte Parkinsontherapie, bei der dem behandelnden Neurologen ein Beobachtungssystem zur Verfügung gestellt wurde, das es dem Parkinsonpatienten ermöglicht, seinem Arzt seine Beweglichkeit mehrfach am Tage zu zeigen. Der Arzt erkennt Zustandsschwankungen während des Tages und kann sich so einen genaueren Eindruck von der Erkrankung machen. Die Therapie findet beim Patienten zu Hause statt. Die einjährige Studie mit 140 Patienten unter der Leitung des Hamburger Parkinsonspezialisten Professor Lutz Lachenmayer konnte die Erwartungen an eine verbesserte Diagnostik und Therapie mit diesem Versorgungsmodell belegen.

Ergebnis:
Die videobasierte Versorgung ist der bisherigen Behandlung deutlich überlegen: Die ganz überwiegende Zahl der videogestützt behandelten Patienten schnitt ebenso gut oder besser ab als die stationär therapierten, die immerhin im Durchschnitt drei Wochen in der Klinik zugebracht haben. Untersucht wurden die Auswirkungen der medikamentösen Neueinstellung der beiden Gruppen anhand von mehreren Parametern. Zum einen wurde die Lebensqualität und ihre Veränderung durch die Therapie erfragt. Dabei musste der Patient Fragen über seinen Zustand beantworten. Der andere. Parameter ist die Beweglichkeit gemessen an der UPDRS-Skala.. Zu den Neben- Parametern gehört die Depression Skala. Zuständig für die Studie ist das Kooperationszentrum für klinische Studien der Universität Köln. Sie wurde vom DPV unterstützt.

Die Lebensqualität der Patienten steigt, die Kosten der Behandlung hingegen sinken. Zu diesem Ergebnis kam z.B. Professor Alexander Storch von der Uniklinik Dresden, der drei Testpersonen betreute: "Bei allen Patienten konnte eine Therapieoptimierung erreicht werden. Es wurde eine deutlich verbesserte objektive und subjektive Bewegungsfähigkeit erreicht." Zielgruppe der Video-Therapie seien insbesondere Patienten in fortgeschrittenem Stadium mit Fluktuationen in der Bewegungsfähigkeit, betont Storch.

Der Berliner Neurologe Reinhard Ehret war mit 13 seiner Patienten an der Erprobung beteiligt. Er sieht Vorteile auch für den behandelnden Arzt, der zusätzliche Informationen über Komplikationen und Therapieauswirkungen sowie eine genauere Dokumentation seiner Therapieentscheidungen erhalte.

Wichtig ist", betont Alexander Rzesnitzek, "dass der jeweils behandelnde Arzt vor Ort einbezogen wird. Er bekommt von uns den kompletten, videodokumentierten Behandlungsverlauf auf CD-ROM , so kann er alle Therapieentscheidungen selbst nachvollziehen".

Die Ersatzkassen haben das Projekt inzwischen in ihr Programm der integrierten Versorgung aufgenommen. Parkinson-Patienten, die sich neu einstellen lassen wollen, steht jetzt die ambulante, videogestützte Therapie der Koblenzer Firma MVB als Alternative zum stationären Aufenthalt zur Verfügung. Sie gewährleistet eine exakt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Behandlung. Die Ersatzkassen haben in einem Kooperationsvertrag mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf die Voraussetzungen dafür geschaffen. Unter der medizinischen Leitung von Professor Alfons Schnitzler soll es gemeinsam mit niedergelassenen Neurologen zu einer integrierten Versorgung ausgebaut werden "Das in Deutschland einzigartige Projekt zur sektorenübergreifenden Behandlung von Parkinsonpatienten wird viele vollstationäre Krankenhausaufenthalte ersetzen", erklärt Werner Gerdelmann, Mitglied des Vorstandes der Ersatzkassenverbände VdAK / AEV,.

Durch den Einsatz der Videodokumentation im häuslichen Umfeld könne der behandelnde Arzt Änderungen der Beweglichkeit über den Tagesablauf verfolgen und die Dosierung der Medikamente jederzeit anpassen.

Mittlerweile stehen Verträge mit insgesamt 24 Kliniken zur Unterschrift bereit, berichtet der Koblenzer Arzt und MVB-Chef Alexander Rzesnitzek. Außer den Ersatzkassen wollen zunächst auch die AOK Berlin und die AOK Nordrhein sowie die BKK Heilberufe die Kosten übernehmen. Rzesnitzek geht davon aus, dass die übrigen Kassen bald folgen werden.

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